Zur Geschichte der Garnison Halberstadt
Band 4

Von der Novemberrevolution 1918 bis
zum Zusammenbruch Deutschlands 1945

A5-Broschüre, 76 Seiten, Auflage: 500

Inhalt

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„Ich habe erfahren, welche Tugenden, welchen Mut das deutsche Volk besitzt. Bei den deutschen Soldaten, die in so großer Zahl starben, kommt es mir kaum auf die Uniform an und noch nicht einmal auf die Ideen, die ihren Geist bestimmten. Sie hatten Mut. Sie waren in diesem Sturm losmarschiert unter Einsatz ihres Lebens. Sie haben seinen Verlust für eine schlechte Sache hingenommen, aber wie sie es taten, hat mit dieser Sache nichts zu tun. Es waren Menschen, die ihr Vaterland liebten - dessen muß man sich gewahr werden.“

(Francois Mitterand in seiner Rede anl. der 50. Wiederkehr des Kriegsendes in Berlin)

Diesen Worten kann man kaum etwas hinzufügen, was die Haltung der deutschen Soldaten im zweiten Weltkrieg betrifft. Sie stammen aus dem Mund eines ehemaligen Gegners, eines Franzosen, was umso mehr erstaunt, weil von deutschen Politikern, gleich welcher Partei, bisher nichts Ähnliches über die Soldaten der Deutschen Wehrmacht gesagt worden ist, außer Bundskanzler Konrad Adenauer:

„Wir möchten heute und vor diesem Hohen Haus im Namen der Regierung erklären, daß wir alle Waffenträger unseres Volkes, die im Rahmen der hohen Überlieferung ehrenvoll zu Lande, zu Wasser und in der Luft gekämpft haben, anerkennen.“

Niemand hatte Zweifel an der Aufrichtigkeit dieser Erklärung.

Der Verfasser dieses Bändchen zur „Garnisonsgeschichte Halberstadts und ihrer Truppenteile“ der selbst 4 Jahre Frontsoldat war, hat die Worte von Francois Mitterand ganz bewußt vorangestellt, weil in diesem Band die Zeit von 1918 bis 1945 - also auch die Zeit des furchtbaren zweiten Weltkrieg mit 50 000 000 Toten! - behandelt wird und weil nach dem Kriege das deutsche Soldatentum durch Verleumdungen und Verunglimpfungen in den Schmutz gezogen wird. Ehemalige Soldaten unserer heimischen Infanterie-Regimenter 12 und 467 haben sich in einem offenen Brief an ihre Kinder und Enkel gewandt und haben darin Folgendes vermerkt (Mitteilungsblatt des Zwölfer-Bundes Heft 95, S. 25-27)

(Auszug):

Als im September 1939 für uns der Krieg begann, waren wir jung wie heute viele von Euch. Für uns stand nicht zeitpolitisches Gedankengut im Vordergrund. Wir wollten Deutschland dienen. Nicht mit Jubel und Begeisterung sind wir in den Krieg gezogen, sondern mit Ernst und Sorge,   aber auch im Sinne der Traditionen echten Soldatentums.

In einem Kampfgeschehen des Ausmaßes, wie es der Zweite Weltkrieg erreicht hat, gab es - wie in jeder Bevölkerungsgruppe überall in der Welt und zu jeder Zeit - auch bei den beteiligten Soldaten und ihren Verbänden Wohlverhalten und Fehlverhalten. Und sicher gab es auch Kriegsverbrechen. Diese Feststellung gilt für die am Zweiten Weltkrieg beteiligten Soldaten aller Ländern und beschränkt sich nicht nur auf die deutschen Soldaten. Wir wenden uns mit Entschiedenheit dagegen, daß schweres Fehlverhalten einzelner den Millionen hart aber fair kämpfenden deutschen Soldaten des Zweiten Weltkrieges zugerechnet wird.

Mit unseren Darlegungen möchten wir keinesfalls bei Euch den Eindruck erwecken, Eure Väter und Großväter wollen Fehlverhalten bis hin zu offensichtlichen Verbrechen einzelner gegeneinander aufrechnen. Das tun wir alten Soldaten nicht! Mit unseren damaligen Gegnern verbinden uns längst vielfältige Bande der Freundschaft. Wir treffen uns und ehren gemeinsam unsere Gefallenen. Wir, die wir wirklich die Schrecken des Krieges erlebt und erlitten haben, sind die größten Verfechter des Friedens!

Ganz verschweigt der heutige Zeitgeist die zahllosen Fälle soldatischen Wohlverhaltens im Sinne echter Kameradschaft. Wir möchten Euch sagen, daß diese Fälle bei uns deutschen Soldaten und sicher auch bei unseren Gegnern große Bedeutung hatten. Die gegenseitige Hilfe in schwerster Not war selbstverständlich.

Und dieses vom Zeitgeist verschwiegene soldatische Wohlverhalten war nicht nur unter den deutschen Soldaten selbst vorhanden, sondern wurde auch den verwundeten und gefangenen Gegnern und der Bevölkerung gegenüber ausgeübt.

Die Werte echten Soldatentums liegen in der Vaterlandsliebe, der Kameradschaft und der Tapferkeit. Diese Werte gab es bei den deutschen Soldaten durch die Jahrhunderte, gleich, ob Kriege gewonnen oder verloren wurden. Sie sind auch in hohem Maße Euren Vätern und Großvätern als Soldaten der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg eigen gewesen! Wer im härtesten Kampfgeschehen von seinen Kameraden gerettet worden ist oder selbst andere gerettet hat, nur der kann beurteilen, wie hoch soldatische Traditionswerte einzuschätzen sind.

Wer heute die Traditionsfrage auf Wehrmacht und Bundeswehr begrenzt, der muß sich fragen lassen, wer denn die Bundeswehr aus dem Nichts wieder als eine militärische Institution unserer freiheitlichen Demokratie aufgebaut hat. Das waren doch fast ausschließlich und in großer Zahl bewährte Offiziere und Unteroffiziere, die den Zweiten Weltkrieg in der Wehrmacht mitgemacht haben und deshalb - wie wir alle - die größten Verfechter des Friedens und der Freiheit sind!

Liebe Kinder und Enkel! Ihr braucht Euch Eurer Väter und Großväter nicht zu schämen! Die Beurteilung der Gesamtlebensleistung unserer Generation mit Einschluß des Wiederaufbaus unseres Landes nach einer der größten Katastrophen überlassen wir getrost dem Urteil der Geschichte!

Quelle:  Faltblatt der hessisch-thüringischen 29.  Infanterie-Division

Es ist mir ein Bedürfnis, folgenden Damen und Herren zu danken, die mir bei meinen Recherchen behilflich waren:

Frau G. Holz (Halberstadt) und den     Herren M. Arnrich (Paderborn), Dr. M. Gabriel (Hannover), Dr. W. Meyer (Adersleben), E. Sauerzapfe (Halberstadt) und Schumacher (Dürbach).

Halberstadt, im August 2000

© by Werner Hartmann und Karola Süßenguth